Pressespiegel

Ein schöner, lebendiger, gelungener, herrlich unperfekter Abend

Orchester, Streicherklasse, Chöre und Solisten: Das Schülerkonzert im Gymnasium besticht durch Vielfalt – in einem hell erleuchteten Forum.

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Ein Wuseln, ein Hin und Her, ein Rein und Raus. Bühnenumbau hier. Stühlerücken dort. Das Konzert im Forum des Gymnasiums hat was Unperfektes – und das tut der Veranstaltung gut. Denn es sind Auftritte „in Progress“ – direkt aus dem Probenraum raus vors Publikum. „Dann kann man mal zeigen, was wir so üben und das vor vielen Leuten“, wie es Tim Förster (13) formuliert. Rund 200 Besucher sind zum Schülerkonzert des Gymnasiums gekommen.

Unter der Regie der Musiklehrerinnen Anette Jensen, Anna Maria Kels, Brigitte Ebert und Geigenlehrerin Julia Jech wirken verschiedene Musikgruppen der Schule mit – die Orchester, die Chöre, die Streicherklasse und Solisten. Einen „Abend bunt wie die Welt“, verspricht Schulleiter Joachim Busch zur Begrüßung, nachdem das komplette Orchester den Abend eröffnet hatte. Kultur, so Busch, sei eine der Säulen der Schule, habe daher eine wesentliche Bedeutung. Und er empfiehlt den Eltern, Geschwistern, Freunden und Kollegen im Forum, es sich gemütlich zu machen, „während es draußen richtig hässlich wird“.

Während Tim (er spielt Fagott) schon gewisse Bühnenerfahrung hat und voller Vorfreude ist, ist Romy Hein (10) ziemlich aufgeregt. „Mein erster Auftritt“, sagt die Schülerin der Streicherklasse. Dass es dieses Angebot am Gymnasium gibt, findet die Fünftklässlerin toll: „Ich kann hier Geige lernen“, sagt sie durchaus stolz.

Als erste Solisten mussten Sophia Kuhlmann (Violine) und Simon Stamen (Klavier) ran – mit dem Rag „A strenuous life“. Ihr Auftritt wird von den Mitschülern und Mitkünstlern – in der großen Tür zum Musikraum stehend – verfolgt. Sie wiegen sich zur Musik, wippen mit den Oberkörpern und stehen optisch hinter dem Duo – als ob sie den Solisten den Rücken stärken wollen. Ein schönes Bild!

Mit „Ein Traum wird wahr“ aus „Aladdin“ zaubern der Chor der 5. und 6. Klassen und der vokalpraktische Kurs der Q1 den Konzertbesuchern ein Lächeln ins Gesicht. Beeindruckend: Johannes Clemens. Bei seinem Klavierspiel – Einaudis „Primavera“ – ist es plötzlich ganz still im Forum. Da brandet lauter Beifall auf. Johannes tritt schnörkellos-schüchtern ab – und muss bei anhaltendem Applaus dann doch noch einmal nach vorne treten. „Richtig tolle Performance, nur an seiner Bühnenpräsenz muss er arbeiten“, sagt Tom Müller, bühnenerprobter „Bouncer“, mit einem Schmunzeln. Seine Tochter wirkt im Orchester mit.

Und der vielfältige Abend hat seinen niedlichen Moment: Mit dem „Zaubernotenlied“ hat die Streicherklasse der 5. Jahrgangsstufe ihre „Live“-Premiere. Ist die Musik noch recht simpel, ist der Klang der Saiteninstrumente aber bereits recht „satt“. Der Nachwuchs für die Orchester steht schon bereit.

Ihre Schulzeit geht dem Ende entgegen. Zwei Wochen noch, dann beginnt für Marius Wagner und Nico Wentker die Abi-Prüfungsphase. Das Duo zeigt im hell erleuchteten Forum – „Ein bisschen schöne Ausleuchtung wäre schon gut in diesem Raum“, befindet Tom Müller durchaus berechtigt – mit mehrstimmigen Gesang, Gitarre und Klavier einmal mehr sein großes Talent – unter anderem mit Ed Sheerans „Photograph“. Auch Vincent Kuhlen gibt seinen Abschiedsauftritt kurz vor dem Abi. „Schweben“ heißt sein Lied. „Das habe ich selbst geschrieben und handelt von der Panik vor der Zeit nach dem Abi“, sagt er und lächelt. Panik? Passt gar nicht zu ihm. Gar nicht.

TME / Thomas Reuter